Warum dürfen meine Ratten nicht mit nach draußen?

Sicherlich fragt ihr euch, warum man Ratten nicht mit nach draußen nehmen soll.

Die, die Ratten schon einmal mithatten, wissen ja, dass ihr Tier das „cool sieht“, „ganz entspannt war“, etc., was für Gründe euch auch einfallen, warum es in Ordnung sein soll.

Als Verantwortungsvoller Halter solltest du dir aber im Klaren sein, dass Ratten mit nach draußen zu nehmen in vielerlei Hinsicht vermeidbarer Stress, vermeidbares Risiko und alles in allem einfach besser ist.

Hier einmal ein Text, den die Rattengruppe im Facebook sehr schön verfasst hat.

 

„Also, Farbratten haben draußen nichts zu suchen. Gar nichts. Ausschließlich in einer Transportbox zum Tierarzt oder anderweitigen Transporten. Aber kein Auslauf draußen und auch kein Spazierengehen!

 

Warum? Das kann ich euch gerne erläutern.

 

 

1. Atemwegserkrankungen

 Ratten neigen zu Atemwegserkrankungen. Besonders zu Schnupfen. Wenn man selbst, der Hund oder das Pferd einen Schnupfen hat, ist das nicht so tragisch. Der geht auch wieder weg. Bei Ratten jedoch ist ein Schnupfen keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen.

Er muss mit Antibiotika behandelt werden. Meist wird Baytril verabreicht. Oft haben die Ratten bereits eine Resistenz gegen Baytril. Man merkt es nicht früh genug und was passiert? Der Schnupfen wird chronisch. Und dann stirbt die Ratte irgendwann daran. Wie mein Salomon, der beim Einschläfern am Wasser in seinen Lungen erstickte!

Bei den meisten Ratten reicht schon ein schiefes Anpusten oder die Zimmertür offenstehen zu lassen, damit sie einen Schnupfen bekommen. Da sollte man das Risiko mit dem Mit-nach-draußen-Nehmen nicht auch noch eingehen!

 

2. Parasitengefahr

 Im Gegensatz zu Hund und Katze, die man mithilfe von Frontline oder ähnlichen Produkten vorbeugend gegen den Befall von Ektoparasiten (Milben, Zecken, Flöhe etc.) und Endoparasiten (Würmer) behandeln kann, kann man das bei Ratten nicht.

Es reicht also der Kontakt mit Vogelkot, Federn, Blättern, Gras, Erde etc. pp. damit die Ratte sich mit Parasiten ansteckt. Man kann dafür nicht aufpassen!

 

3. Neophobie

 Ratten sind neophob. Neophob bedeutet, sie haben Angst vor Neuem. Neuer Umgebung, neue Gerüche, neue Geräusche… Deswegen ist auch die Eingewöhnungszeit so wichtig, wenn sie neu bei einem eingezogen sind.

Es gibt Ratten, bei denen die Neophobie sehr stark ausgeprägt ist und welche, bei denen ist sie es nicht. Dennoch: Ratten sind revierbezogen. Sie wollen und brauchen ihr Revier (Käfig, Auslauf, Wohnung) nicht zu verlassen! Alles, was um das Revier herum liegt, ist neu und macht ihnen Angst. Es versetzt sie in Panik.

Und in Panik können Ratten manchmal Dinge tun, die man ihnen nie zugetraut hätte. So z. B. über einen Meter von der (sicheren) menschlichen Schulter in einen Holzstoß springen. Oder auf den Rasen springen und vom Hund des Nachbarn zerfleischt werden.

Man kann – egal, wie zutraulich die eigenen Ratten auch sind – niemals voraussagen, wie sie in besonderen Situationen reagieren. Muss man es echt drauf ankommen lassen??

 

4. Fressfeinde

 Alles, was größer als eine Ratte ist, ist beinah automatisch ein Fressfeind. Hunde, Katzen, Greifvögel…

Neben der Neophobie kann z. B. das Fliegen der Vögel am Himmel den sogenannten Greifvogelreflex auslösen. Panik! Und in Panik rennt die Ratte davon. Ungeachtet dessen, wohin. Nur weg. Weg vom Menschen, weg von IHREM Menschen.

Ein Fall ist mir bekannt, da saßen zwei Leute mit ihren Ratten im Park. Sie hatten sie auf der Schulter. Ein Mädchen ließ ihren Hund von der Leine – wie sie es immer tat. Der Hund rannte volles Rohr auf die beiden zu und packte erst die eine, dann die andere Ratte so schnell, dass die Besitzer nichts tun konnten, als zuzusehen. Beide Ratten waren sofort tot. Ohne Vorwarnung. Obwohl sie „Draußen“ kannten; nicht von ihrem Menschen „abstiegen“.

 

Es muss also nicht immer der Fall sein, dass ihr was „falsch“ macht. (Wobei auch in diesem Falle nicht der Hund schuld war, sondern die Rattenbesitzer!) Es können eben auch unvorhergesehene Situationen eintreffen, die ihr nicht unter Kontrolle habt.

 

5. Gesetzesverstoß / Gefahr durch andere Menschen

 Neben der Tatsache, dass im Tierschutzgesetz verankert ist, dass man seine Tiere nicht quälen darf (wobei manche Leute ja auch behaupten, dass ihre Ratten es toll finden, in Barbiekleider gesteckt und fotografiert zu werden), ist es gesetzlich verboten Tiere mit in Lebensmittelläden zu nehmen. Hunde sowieso. Aber bei Ratten wird sofort die Polizei gerufen.

Und das ist nicht nur bei Lebensmittelgeschäften so. Ratten sind nun mal verpönt und haben einen ziemlich angegriffenen Ruf. Fliegende Gegenstände wie Handtaschen, Schuhe oder Coladosen können eine Ratte umbringen!!

 

6. Anatomische Beschaffenheit

 Farbratten sind nicht mit ihren wilden Verwandten auf eine Stufe zu setzen. Farbratten z. B. bekommen kein Winterfell! Bei wilden Ratten wächst das Fell je nach Witterung. Bei Farbratten nicht! Alles, was unter 12 °C fällt, kann Farbratten das Leben kosten.

Oft bekomme ich auch zu hören „Wilde Ratten leben ja auch draußen!“ Falsch! Wilde Ratten verbringen die meiste Zeit ihres Lebens in Gebäuden oder der Kanalisation. Das ist ja der Grund, weshalb ihr Ruf so schlecht ist. Eine Ratte buddelt sich nicht draußen in einem Haufen Schnee eine Kuhle, um drin zu schlafen! Eine wilde Ratte gräbt sich im nächsten Misthaufen einen Tunnel, denn Mist wärmt oder frisst in die nächste Betonmauer ein Loch um dahinter ein Nest anzulegen, welches frostfrei ist.

Denn Winterfell oder nicht: Draußen – wirklich richtig draußen – halten auch wilde Ratten sich nur im Höchstfall zur Nahrungssuche auf. Oder dann, wenn es sich wegetechnisch nicht anders machen lässt.

Rattenaugen sollten niemals, nirgendwo mehr als 20.000 Lux ausgesetzt sein. Albinos sollten, aufgrund der fehlenden Pigmentierung der Iris und der extremen Empfindlichkeit der Augen, nicht mehr als 10.000 Lux ausgesetzt sein. Zum Vergleich: Wenn draußen die Sonne scheint, beträgt das Licht dort etwa 100.000 Lux!

Das ist, als wenn wir uns mehrere Stunden ohne Sonnenbrille in den Garten setzen und genau in die Sonne starren.

 

Was würde deine Ratte selbst dazu sagen?

Das kannst du dir in diesem fiktiven Interview nachlesen:http://www.rat-nose.de/haltung_interviews_rumtragen.htm

 

Blöde Gegenargumente / Ausreden

 

 „Meiner Ratte gefällt es draußen!“

Ach ja? Hat sie dir das selbst gesagt? Beschäftige dich mit der Körpersprache von Ratten. Dann findest du schnell heraus, dass ihre Körpersprache das genaue Gegenteil aussagt.

 „Es liegt in der Natur einer Ratte, draußen zu sein!“

Es liegt in der Natur einer wilden Ratte draußen zu sein – und selbst die sind nur in der Dämmerung oder in der Nacht draußen unterwegs. In der Natur einer Farbratte liegt es nicht.

 „Wenn ein Vogel kommt, nehme ich meine Ratte schnell auf den Arm. Dann passiert ihr nichts.“

Greifvögel schlagen innerhalb von Sekunden zu. So schnell kannst du nicht reagieren. Hinzu kommt, dass bei deiner Ratte ein natürlicher Fluchtinstinkt ausgelöst wird, sobald sie einen Schatten über sich sieht. Sie rennt weg, du musst hinter ihr her, um sie zu kriegen und der Greifvogel schlägt genau dann zu. Da hast du keine Chance, einzugreifen.

 „Ratten sind doch Tiere und Tiere müssen im Grünen sein!“

Ratten sind Tiere, das ist korrekt. Aber anstatt sie ins Grüne zu bringen, könntest du das Grüne zu ihr bringen. Sammle einfach Gras und Wildkräuter aus der Natur und biete sie deinen Ratten an.

„Meine Ratte kann sich nicht mit irgendwas anstecken. Ich durchsuche den Garten vorher nach Infektionsquellen.“

Infektionsquellen haben keine Leuchtreklame. Will sagen, die meisten sind unsichtbar. Leptospirose wird z.B. über den Urin von wilden Ratten und Mäusen übertragen. Wie willst du den finden und vernichten?

 

Käfig auf den Balkon

Der Rattenkäfig hat nichts auf dem Balkon zu suchen. Egal, ob es warm oder kalt ist.

Wenn es kalt ist sowieso nicht! Dann kommen noch die oben genannten anderen Gründe hinzu. Und im Sommer können Ratten bei direkter und indirekter Sonneneinstrahlung an einem Hitzschlag sterben oder erblinden.

Egal, wie man es dreht und wendet: Am Ende einer Außenhaltung oder eine Spaziergangs ins Freie steht immer der Tod einer jeden Farbratte!

Willst du das riskieren??

Quelle:http://rattige-infos.cms4people.de/77.html